Lokus & Lesen

By admin

Gehört für mich zusammen und ich tu auch immer wieder beides.
Per Kilo, geliehen oder einfach gebraucht – Bücher finden ihren Weg zu mir.
Heute aus “Das Rowohlt aktuell Lesebuch, Von der bürgerlichen Freiheit,
Politische Essays, © 1983, DM 6,80”

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Dorothee Sölle, Wie können wir lernen, nein zu sagen? © 1981

Das Wort “Frieden” taucht in den Reden führender Politiker immer seltener allein auf. “So ganz ungeschützt” sollte man es wirklich nicht mehr in den Mund nehmen. Es muß mit “Sicherheit” verbunden werden. Wenn man lautstark und militärisch klar genug über Sicherheit geredet hat, dann ist das angehängte “und Frieden” nicht mehr bedrohlich. First things first, erst mal absolute Sicherheit.
Der Wunsch nach absoluter Sicherheit schlägt in die größte Unsicherheit und Selbstzerstörung um; jeder Eheberater weiß das. Wenn der Wunsch nach Sicherheit neurotisch wird, und das ist er seit dem Dezember 1979, dann schützt er nicht, sondern zieht die Vernichtung an. … Aber kollektive Neurosen werden durch Erkenntnisse allein sowenig aufgelöst wie individuelle. Dämonen müssen ausgetrieben werden.

Christsein <> bedeutet nicht, ein vorpolitisches Weihnachtsliedchen zu summen, wir müssen schon etwas deutlicher werden.
Mit “deutlich” meine ich: so militant, so gewaltfrei und so illegal wie Jesus und seine Freunde.

Mit “deutlicher werden” meine ich, daß wir die in vielen anderen Ländern entwickelten Formen des zivilen Ungehorsams endlich auch in Deutschland einüben, so daß wir die bewußte Regelverletzung, die gewaltfreie Illegalität, den bürgerlichen Ungehorsam gemeinsam lernen. Man kann gegen Gesetze und Eigentumsordnungen verstoßen, ohne Gewalt gegen Menschen anzuwenden. Noch ist unsere Phantasie in diesem Punkt etwas unterentwickelt. …
Mit Eingaben, Briefen an Abgeordnete, Flugblättern und Demonstrationen allein ist gegen die Arroganz der Macht <> nicht anzugehen. Der demokratische Charakter gewaltfreier Illegalität muß sichtbar werden. Wir müssen endlich anfangen, auch am Sabbat ein paar Ähren auszuraufen.
Die Jünger Jesu, die das taten, verstießen gegen ein religiöses Gesetz. Sie handelten illegal; …
Wir haben noch viel zu lernen, und ziviler Ungehorsam drückt einen Glauben an die Lernfähigkeit des Menschen aus.

Und, liebe nichtchristliche Leser, natürlich hilft beten. Seid doch nicht so blind, das hat doch mit organisierter Religion fast gar nichts zu tun. Sondern mit uns selber, unseren Wünschen, die wir nicht eintauschen gegen den Dreck, den sie uns ständig anbieten. Natürlich hilft beten und sich eins wissen mit der Macht, die dem Grashalm durch den Asphalt hilft. Natürlich hilft wünschen, träumen, darüber reden, eine Vision haben und sie mitteilen im Handeln.

Wer war (muß man sagen, sie ist 2003 wohl verstorben)
http://www.dorothee-soelle.de/
?
“wurde sie wegen „versuchter Nötigung“ verurteilt. Diese Urteile wurden zum Teil später höchstrichterlich aufgehoben.“ weiß Wikipedia über sie.
Sie heiratete einen Ex-Benediktiner und war lyrisch und politisch und religiös tätig.

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Bürgerrechte, Menschenrechte, Grundrechte, Kinderrechte, Elternrechte, Daseinsberechtigung, Individuum, Persönlichkeit, Person, Mensch
- all’ das ist nicht wirklich was, wenn Du nichts draus machst!
Keine Chance, was soll das nützen?
Nun, wer sich nicht wehrt, ist tatsächlich Bestandteil des Problems.
Opfer zu sein, erfordert die innere Annahme dieser Rolle.

Wer will das schon von sich?

Mag sein, daß manches "religiöse Verständnis” nahelegen soll, alles sei fromm zu ertragen;
mag aber auch sein, daß es eine kolossale Verfehlung ist, seine Kräfte nicht zu Lebzeiten für eine Verbesserung zu eigenen Gunsten und für unsere Erben eingesetzt zu haben.

Lebenssinn über Verdauung und Fortpflanzung hinaus.

Ach, komm!
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